Was bewirkt ein ergebnisloser Akt der Fürsorge?
Der Titel Love Game weist auf das Zählsystem im Tennis. Love bezeichnet dort die Null. Die Herkunft des Begriffs wird auf das französische l’œuf (das Ei) zurückgeführt, dessen Form an die Null erinnert. Wer keinen Punkt erzielt, steht also bei Love. In diesem Spiel ist die Liebe nicht bedeutend, sie hat keinen Wert und ist nicht erstrebenswert. Ein Love Game gewinnt, wer dem Gegenüber keinen einzigen Punkt überlässt.
Love Game materialisiert dieses Paradox. In Kapitel 1 der fortlaufenden Serie schleudert eine Tennisballmaschine unermüdlich rot gefärbte Bälle gegen die weiße Wand. Sie wird hier handelndes Subjekt, der Affekt materialisiert sich im Tennisball, die Zurückweisung im unbeeindruckten Adressaten, der Wand. Wie ein Kussmund hinterlässt jeder dumpfe Aufprall einen roten Abdruck. Mechanisch wird diese Szene wiederholt. Situiert ist diese Interaktion in der sportästhetisch-romantischen Höhle aus Kunstrasen und Blümchen. Letztere erinnern an das Liebesorakel (Liebt mich…liebt mich nicht).
Die gefallenen Küsse werden hier von einem anderen Roboter umsorgt, der die gefallenen Küsse einsammelt. Jedoch nur kurzweilig, denn ihm fehlt der Korb und die Küsse bleiben außerhalb seiner selbst. Sie liegen nun allein, ohne Absender und Adressaten, auf dem Rasen.
In Zeiten digitaler Dating-Plattformen folgt Begehren und Annäherung oft einer ökonomischen Logik, in der Profile optimiert und Optionen maximiert werden. Nicht selten herrscht dabei die Maxime, die eigenen Bedürfnisse und Anforderungen an erste Stelle zu stellen. Love Game verweigert diese Rationalität, da der Apparat ungeachtet seiner Mittel den ergebnislosen Akt der Fürsorge nicht abbricht. Die Maschine sucht keine höhere Erfolgsquote, sondern führt die programmierte Anweisung weiter aus. Sie kennt in ihrer Beschaffenheit weder Innehalten, noch Enttäuschung. Love Game nähert den Roboter an ein empfindungsfähiges Subjekt an, sein optimistischer Eifer kann jederzeit in Obsession, Neugier, Freude oder Resignation kippen. Die Erwartung, die Beziehung der Maschine zu dieser Sisyphos-Aufgabe müsse sich mit fortschreitender Zeit verändern, wird jedoch enttäuscht und offenbart schlussendlich die maschinelle Logik des Ausführenden.
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Hülya Braasch studiert Bildhauerei und Bühnenraum an der HFBK Hamburg und macht derzeit ihren Abschluss. Ihre Arbeiten verbinden Skulptur, Bühne und Performance, indem sie emotionale Dynamiken in Objekte, Maschinen und performative Handlungen übersetzt. So treten die Arbeiten in direkte Beziehung zum Publikum und verbinden Material, Bewegung und Gefühl auf unmittelbare Weise.