Mathilda Serjeants Skulptur Try Me präsentiert ein skelettartiges Gebilde, das, eng von einem Gurt umschnürt, auf ausrangierten Operationstischen in einem sterilen Raum liegt. Neben der Latexhaut betonen auch die Haare die Physis der Skulptur und erzählen von etwas Lebenden und Intimen. Es ist dieser Kontrast des leibhaften Werkstoffs zum kühlen Stahl, der eine unverlangte haptische Nähe erzwingt und so Ekel provoziert.
Die direkte Ansprache Versuch’s doch, trau dich!, überwindet schließlich verbal die letzte Distanz, die der umschnürte Körper noch aufrechterhielt. In den Worten liegt der Wille zur Bewährung, aber auch ein unausgesprochener Affektstau, ein Aufbegehren gegen Ohnmacht und Zurückweisung. Wer diese Herausforderung ausspricht, erklärt sich bereit, geprüft zu werden und fordert zugleich das Recht zur Wehr zurück. Provokant hallen die Worte aus dem bedrohlichen Leib. Sie stellen vor eine Zwickmühle: Der Impuls, helfend einzugreifen, prallt auf das Unbehagen, das zum Selbstschutz mahnt.
Letztlich justiert Try me das Verhältnis zwischen Verletzbarkeit und Widerstand neu. Das Werk zeigt den Willen, bestehende Dynamiken umzudrehen, um in einer Situation extremer Ausgeliefertheit wieder Macht und Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen.
Mathilda Serjeant studiert Bildhauerei an der Burg Giebichenstein in Halle (Saale). In ihrer Arbeit erforscht sie die Verzahnung von physischer Zerbrechlichkeit, brutaler Macht und Kontrolle, die sie durch materielle Symbiosen und Kontraste greifbar macht. Stets auf den Spuren des Undefinierbaren konfrontiert sie auf diese Weise die paradoxen Nuancen (zwischen-)menschlicher und gesellschaftlicher Dynamiken.